BLOG ÜBER KIEW, SEINE GESCHICHTEN, SEHENSWÜRDIGKEITEN UND MENSCHEN

EINE RADTOUR IM NORDOSTEN DER UKRAINE - EINE REISE DURCH DIE JAHRHUNDERTE

  • Posted on: 15 September 2016
  • By: Anna

Wie wir auf die Idee gekommen sind in die Tschernigov Gubernija zu reisen, könnt ihr hier nachlesen:
http://www.kievpuzzles.com/eine-radtour-der-ukrainischen-provinz-reise-die-chernigov-gubernija
Nachfolgend berichten wir mit Fotos von unserer erlebnisreichen Radtour:

Tag 1

  1. In den ukrainischen Nahverkehrzügen herrscht schon morgens eine kauflustige Stimmung. Es wird alles Mögliche angeboten: Kaffee, Süßigkeiten und etwas Gebackenes, aber auch Netzsäcke fürs Gemüse und Gewürzmischung für die Einlegegurken. Jedenfalls, wenn man noch nicht gefrühstückt hat und sich traut die Sachen zu probieren, wird man nicht vor Hunger sterben.

  2. Wir wissen es: Wir sind sehr Kruty! Von hier geht es weiter mit dem Fahrrad!

  3. Erste geplante Station in unserem Reiseplan. Wir sind im Museum bzw. Gedenkstätte der Helden von Kruty. Mit einem Denkmal und einer Dauerausstellung erinnert man sich hier an die Ereignisse des Winters 1918 und an jene Studenten, die bei der Schlacht von Kruty gestorben sind. Dieser Ort ist absolut ein Besuch wert, bitte plant bei der Reise in dieser Region ein bisschen Zeit für die Führung durch diese wunderbar gemachte Ausstellung.


  4. Blau-gelbes Rathaus im Dorf Ombysh

  5. Ukraine - ein Land der Störche.

  6. Glück gehabt! Die Mutter eines Kumpels ist gerade in ihrem Elternhaus in Ivangorod gewesen. Wir haben die Einladung zum Mittagessen herzlichst angenommen und diese Gelegenheit genutzt um eine Pause zu machen.

  7. Wunderschöner verlassener Pferdestall, mei o mei, man hätte daraus etwas echt Besonderes machen können.

  8. Erster Sonnenuntergang. Dummerweise müssen wir noch weiter fahren, unser Ziel ist das Schloss und der Park von Katschaniwka. Dies ist eine der größten Parkanlagen in Europa und die Einzige in der Ostukraine, die nach der Revolution in der Gesamtheit erhalten blieb.

  9. Endlich angekommen in Kachanivka. Wir schlafen direkt am Schloss im ehemaligen Bedienstetenhaus. Hier hat man eine kleine Pension eingerichtet mit einfach gestalteten Zimmern und einem Gemeinschaftsbad. Dafür sind die Kosten echt ein Witz - 3 Euro pro Person. Wir haben 70 Km am Fahrrad hinter uns, fix und fertig aber happy!



Tag 2

  1. Guten Morgen! Ist es nicht großartig? Der ganze Schlosspark ist nur für uns alleine. Ein Schlosshündchen macht gerne bei unserem Yoga mit.

  2. Eine Führung im Schloss von Kachanivka. Früher war hier mal Taras Schevchenko, Nikolaj Gogol, Ilja Repin, Michail Glinka sowie Michail Wrubel beim Mäzen Wasilij Tarnowskij zu Besuch, heute wir!


  3. Wir gönnen uns einen entspannten Tag, zuerst baden und faulenzen am See und sonst nur im Umkreis von Kachanivka radeln.

  4. Ehemalige Zuckerfabrik in Parafiivka. Ein wunderschönes Industriearchitekturdenkmal aus dem 19 Jahrhundert hat viel gesehen und erlebt, aber leider steht es seit 2011 still und schweigt.

  5. Eine Straße, die es nicht wirklich verdient hat, so genannt zu werden. Wohl auch ein Denkmal aus dem 19 Jahrhundert. Eine echte Reise in die Vergangenheit.

  6. Unser Abendessen in Sokolinyj Hutir. Hier kann man sich in authentischer Atmosphäre eines ukrainischen Bauernhofes vom Stadtleben erholen.


Tag 3

  1. 06:00 Wir rollen weiter. Wie man sieht, sind nicht nur wir so früh aufgestanden.

  2. Da wir noch heute ziemlich viel vorhaben, fahren wir mit einem Nahverkehrszug von Guzhivka nach Bahmach. Unser Zwischenziel ist Baturin.

  3. Eine nette Bekanntschaft im Zug - Opa Jura und seine Enkelin Anna.

  4. Unsere Begeisterung für den heutigen Tag hält sich sehr in Grenzen. Es ist über 35 Grad, die Sonne brennt und zwischen den Maisfeldern zu fahren geht irgendwie gar nicht so schnell wie wir es vorhatten.

  5. Wir sind endlich in Baturin - ehemalige Hetmanenhauptstadt - angekommen. Wegen Zeitdruck müssen wir die Sehenswürdigkeiten - das vor kurzem restaurierte Rozumovskij Palais und die wiederaufgebaute Festung schnell abfahren. Leider haben wir keine Zeit zum Baden im Sejm.




  6. Da die Straße nach Baturin so beschissen war (lose verlegte Betonplatten ohne einen Hauch Asphalt drauf und nicht mal Füllung dazwischen), entscheiden wir uns für einen anderen Weg als ursprünglich geplant. Wir wollen das 25 km entfernte Altynivka über die Fernstraße erreichen, von dort hoffen wir mit einem Nahverkehrszug nach Schostka zu fahren. Dummerweise verpassen wir unser Zug und der nächste fährt nur nach Voronizh (ukrainische Voronizh). Ein paar neugierige Einheimische erzählen uns, dass wir ein Taxi ohne Problem von dort nach Nowhorod-Siwerskyj nehmen können. Na ja, es hört sich ein bisschen unglaubwürdig an, wir nehmen aber trotzdem diesen Zug, in Altynivka können wir ja auch nicht bleiben.

  7. Um 10 Uhr abends sind wir am Bahnhof in Voronizh. Verrückt aber wahr: ein Taxifahrer sagt, er holt jetzt daheim einen Anhänger, dann laden wir die Fahrräder ein und alles wird gut. Er fragt, ob wir 300 Hrywnja (umgerechnet 11 Euro)zu zahlen bereit sind. JAAAAAA! Alle sind happy und wir fahren ins 37 km entfernte Nowhorod-Siwerskyj. Gott sei Dank: dieser Tag ist vorbei! Wir sind bei Polinas Verwandtschaft nach diesem anstrengenden Tag gut aufgehoben.

    Im nächsten Post bebildern wir unsere Eindrücke vom Nowhorod-Siwerskyj,    Tschernigow und Slavutich.

Fotos: Kievpuzzles

Kommentare

Im umgangssprachlichen Ukrainischen würde man vermutlich eure Radtour, die Erlebnisse und den abenteuerlichen Fotobericht mit einem Satz kommentieren: "Це дійсно круто!" - "Das ist echt cool!"

Über die Schlacht bei Kruty gibt es einen Artikel bei Wikipedia. https://de.wikipedia.org/wiki/Schlacht_bei_Kruty
Mit etwas anderem Akzent: Gedenktag an die Schlacht von Kruty (Крути)
http://www.ukraweb.com/blog/933/die-schlacht-von-kruty.html

Bild des Benutzers Anna

Thomas, danke für die Links. Jens von ukraweb macht sein Blog echt ganz toll, ich schaue selbst gerne mal vorbei. Aber wir schreiben sicherlich auch selbst ein Beitrag zu Kruty, wir haben viele tolle Fotos gemacht und die Ausstellung ist auf jeden Fall ein Besuch wert.

Gern geschehen, Anna. Eurem bisherigen Reisebericht habe ich nicht entnommen, dass ihr über Kruty selbst einen Beitrag schreiben wollt. Eure persönlichen Eindrücke vor Ort werden mit Sicherheit zum Vermächtnis der heldenhaften Patrioten beitragen.

Vielleicht könntet ihr nähere Infomationen darüber veröffentlichen, wie man am Besten von Kyjiw aus die Gedenkstätte erreicht.

У неділю, 29 січня, українці вшановують пам’ять Героїв Крут.
Am Sonntag, den 29. Januar, ehren die Ukrainer das Gedenken an die Helden von Kruty.
https://www.ukrinform.ua/rubric-society/2165437-ukrainci-vsanovuut-pamat...

Neuen Kommentar schreiben